Das Gedicht gehört zu den bekanntesten Emily Dickinsons. Der Tod erscheint darin nicht als Schreckgestalt, sondern als höflicher Herr, der die Sprecherin in seiner Kutsche abholt, weil sie selbst zu beschäftigt war, um innezuhalten. „Stop for“ heißt hier „anhalten für“, nicht „aufhören wegen“; an dieser Stelle gehen wörtliche Übersetzungen leicht in die Irre. Als dritter Fahrgast sitzt die Unsterblichkeit mit in der Kutsche, die Fahrt führt am Leben vorbei in die Ewigkeit. Ins Deutsche wurde das Gedicht mehrfach übertragen, unter anderem von Gunhild Kübler in ihrer zweisprachigen Ausgabe sämtlicher Gedichte.
Quelle: Emily Dickinson, Gedicht Nr. 479 (Zählung Franklin) bzw. 712 (Johnson), entstanden um 1862/63; erstmals postum 1890 in „Poems“ unter dem Titel „The Chariot“ veröffentlicht.