Der Genfer Philosoph Henri-Frédéric Amiel führte über drei Jahrzehnte ein Tagebuch, das nach seinem Tod veröffentlicht wurde und als Meisterwerk der Selbstbeobachtung gilt. Diesen Satz schrieb er wenige Wochen vor seinem Tod. Er beschreibt eine bittere Erfahrung: Unerfüllte Wünsche machen unglücklich, erfüllte aber oft auch, weil sie enttäuschen oder eine Leere hinterlassen. Ähnlich heißt es bei Oscar Wilde, es gebe zwei Tragödien im Leben: nicht zu bekommen, was man will, und es zu bekommen. Die beiden Wege werden im Original durch Versagen und Gewähren gegenübergestellt; das Schicksal selbst handelt, nicht wir.
Quelle: Henri-Frédéric Amiel, Journal intime, Eintrag vom 10. April 1881 (im Original französisch); englisch in der Übersetzung von Mary A. Ward, „Amiel's Journal“ (1885).